Elektroautos abschleppen: 9 wichtige Fragen & Antworten

Keiner wünscht es sich, dennoch passiert es regelmäßig: die Autopanne.

Mehr als die Hälfte der deutschen Autofahrer hatte laut Meinungsforschungsinstitut Forsa bereits eine Autopanne.

Dies deckt sich mit unseren Erfahrungen als Abschleppdienst in Düsseldorf, ungefähr jeder zweite Kunde der Pannenhilfe anfordert hatte früher auch schon mal mindestens eine Autopanne.

Bei Verbrennern wissen die meisten Menschen wie sie sich verhalten müssen, und wie man vorgeht wenn das Auto abgeschleppt werden soll.

Elektroautos abschleppen ist allerdings für die meisten noch komplettes Neuland.

Die Verunsicherung ist gross: was ist erlaubt? Kann ich etwas kaputt machen?

Wir haben über die Jahre schon mit diversen Elektroautomarken Erfahrungen gemacht und denken das es an der Zeit ist die häufigsten Fragen zum Thema “Elektroautos abschleppen” zu beantworten.

Los geht’s!

Wie groß ist die Gefahr mit dem Elektroauto liegen zu bleiben?

Im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor hat ein Elektroauto eine deutlich reduzierte Anzahl an bewegten Teilen.

Viele Teile der Antriebstechnik werden nicht benötigt, wie etwa Anlasser, Kurbelgehäuse, Einspritzsystem, Auspuff und Tank.

Da es weniger fehleranfällige Baugruppen als bei einem Verbrenner gibt ist die Wahrscheinlichkeit liegen zu bleiben deutlich geringer.

Das belegt auch die Statistik der jährlichen Pannendiensteinsätze: nicht einmal jeder 20. Einsatz (4.4%) im Jahr 2020 ging auf Elektroautos zurück.

Die häufigste Ursache einer Panne in Deutschland ist eine leere Starterbatterie. Knapp 48% der jährlichen Panneneinsätze können durch eine Batterieüberbrückung gelöst werden.

Bei einem Elektroauto ist die Starterbatterie allerdings nur sehr selten leer, da diese ständig von der Antriebsbatterie nachgeladen wird.

Das setzt natürlich voraus das die Antriebsbatterie auch geladen wird: Im Corona-Jahr 2020 musste der ADAC auch bei E-Autos vermehrt leere Starterbatterien überbrücken da durch den Lockdown viele Elektroautos nicht bewegt und auch nicht geladen wurden.

Die häufigste Pannenursache bei einem Elektroauto ist ein geplatzter Reifen.

Da manche Elektroautos – um Gewicht zu sparen – keinen Ersatzreifen dabei haben, kann das dazu führen, dass der Abschleppdienst gerufen werden muss.

Eine leere Antriebsbatterie tritt bei Elektroautos dagegen eher selten auf.

Zum einem weisen alle Elektroautos frühzeitig auf einen niedrigen Ladestand hin.

Zum anderen haben die Hersteller (ähnlich wie bei Tankreserven im Verbrenner) stille Reserven in der Antriebsbatterie eingeplant, auch um die Zellen vor einer Tiefentladung zu schützen.

Elektroauto an der Stromtankstelle

Wer hilft bei einer Panne mit dem Elektroauto?

Als erstes sollten Sie prüfen ob ihr Hersteller eine Mobilitätsgarantie anbietet.

Diese Garantie sorgt für zwei wichtige Leistungen: zuerst die Pannenhilfe vor Ort um das Elektroauto wieder fahrtüchtig zu machen, und dann das Abschleppen zur nächstgelegenen Vertragswerkstatt.

Auch wir bieten sowohl die Pannenhilfe wie auch den Abschleppdienst in Kooperation mit den Herstellern an.

Falls Sie keine Hersteller-Mobilitätsgarantie in Anspruch nehmen können, sollten Sie einen Pannendienst beauftragen der 2 Kriterien erfüllt:

Warum muss es ein Pritschenwagen mit Kran sein fragen Sie? Das beantworten wir im nächsten Absatz!

Darf man Elektroautos abschleppen?

Vorausgesetzt der Pannendienst kann das Auto vor Ort nicht fahrtüchtig machen muss das Auto zur nächsten Werkstatt gebracht werden.

Darf das Elektroauto abgeschleppt werden? Die (unbeliebte) Antwort lautet: es kommt darauf an!

Erster Schritt: Bedienungsanleitung lesen

Alle Hersteller die uns bekannt sind, erwähnen klar und deutlich in der Bedienungsanleitung ob das Elektroauto abgeschleppt werden darf oder nicht.

Viele Hersteller schliessen ein Abschleppen explizit aus.

Andere Hersteller erlauben ein Abschleppen, sofern man die Antriebsachse anhebt, sowie ein gewisses Tempo (zB 30 km/h) und eine gewisse Distanz (zb 30 km) nicht überschreitet.

Elektroautos abschleppen

Zweiter Schritt: Abschleppdienst anrufen und klar kommunizieren

Sagen Sie klar und deutlich das es sich um ein Elektroauto handelt.

Falls die Bedienungsanleitung ein Abschleppen verbietet, sagen Sie deutlich daß das Auto mit einem Pritschenwagen der mit einem Autokran ausgestattet ist abgeschleppt werden muss.

Alles andere würde bedeuten daß das Auto auf eigenen Achsen rollt, und dies kann Schäden verursachen.

Wichtig: wird das Auto mit Kran auf die Pritsche gehoben, versichern Sie sich wo genau ihr Auto angehoben werden kann.

Dafür gibt es vorgesehene Auflage- und Hebepunkte. Werden diese nicht getroffen kann es schnell teuer werden.

Nicht nur Schäden an der Karosserie sondern auch an der Hauptbatterie die sich oft tief unten befindet sind möglich.

Warum dürfen manche Autos nicht abgeschleppt werden?

Bei einem Elektroauto liegt der Elektromotor sowie die Leistungselektronik in der Regel direkt an der Vorder- oder Hinterachse (manchmal auch an beiden).

Das bedeutet, daß durch das Abschleppen des Autos die Achse bewegt wird, und somit auch der Elektromotor gedreht wird.

Da dieser sowohl Generator wie auch Antrieb ist, ist der Elektromotor nie wirklich “aus”. Ähnlich wie bei einem Fahrrad Dynamo entsteht ein Rekuperationseffekt.

Die Bewegung regt das Magnetfeld im Motor an, welches Strom erzeugt. Da die Steuerelektronik bei defekter oder leerer Antriebsbatterie nicht mit Strom versorgt wird, können die Spannungen des sich bewegenden Elektromotors Schäden verursachen.

Ausserdem kann durch unzureichende Schmierung das Getriebe beschädigt werden, und der Akku überhitzt werden was zu Brand führen kann.

Deshalb ist es in solchen Fällen besser, das Auto mit Hilfe eines Krans auf den Pritschenwagen zu laden und die Achsen nicht zu bewegen.

Anders sieht es aus wenn sich der Antrieb von den sich drehenden Rädern entkoppeln lässt. Dann kann das Auto problemlos abgeschleppt werden, da sich der Motor nicht mitdreht und keine Spannungen erzeugt. Die Bedienungsanleitung verrät ob dies möglich ist.

Eng verwandt mit dem Thema Antrieb entkoppeln ist auch folgende Frage die wir oft hören:

Hat ein Elektroauto einen Leerlauf?

Einige Elektroautos haben eine Neutralstellung die den Antriebstrang komplett vom Motor trennt (zb Nissan Leaf, Citroën C-Zero).

Andere Elektroautos haben zwar eine Neutralstellung, doch diese entkoppelt NICHT den Motor.

Ob ein Elektroauto im Leerlauf abgeschleppt werden darf oder nicht kann man auch nicht pauschal sagen: manche Hersteller verbieten es, andere erlauben es mit Einschränkungen.

Lesen Sie um sicher zu gehen in der Bedienungsanleitung nach.

Darf man Elektroautos überbrücken?

Grundsätzlich ja, da sich dieser Teil der Technik kaum von der in Verbrennern einsetzt.

Auch Elektroautos nutzen eine 12V Batterie die Systeme wie Scheinwerfer, Innenbeleuchtung, Warnsysteme und Steuergeräte versorgt.

Ist diese leer, kann mit dem üblichen Ablauf Starthilfe gegeben werden.

Die Wahrscheinlichkeit eine leere 12V Batterie im Elektrofahrzeug vorzufinden ist allerdings viel geringer als beim Verbrenner, da diese über die Hochvoltbatterie nachgeladen wird.

Und umgekehrt: dürfen Elektroautos Starthilfe geben?

Auch hier: grundsätzlich ja.

Allerdings sind die Starterbatterien bei Elektroautos meist kleiner dimensioniert, da für den Startvorgang weniger Strom abgegeben werden muss.

Die Batterie muss beim Elektroauto nur genug Strom abgeben um die Steuergeräte hochzufahren und die Hochvolt-Schütze zu schließen, und nicht um innerhalb weniger Sekunden den großen V6-Diesel vorzuglühen – gerade im Winter ist die Batterie im Elektroauto als Starthilfe dann rasch unterdimensioniert.

Gibt es mobile Ladestationen?

Ist die Antriebsbatterie leer und man ist liegengeblieben, wünscht man sich natürlich die Möglichkeit die Batterie rasch vor Ort ein wenig zu laden damit man zur nächsten stationären Ladestation kommt.

Doch diese Technik ist noch nicht weit verbreitet.

BMWi hatte einen sogenannten Mobile Recharger Service im Einsatz: dieser wurde 2020 aufgrund mangelnder Nachfrage wieder eingestellt.

Hyundai hat die V2V-Charging (Vehicle-to-Vehicle) Technik im Einsatz, die aus der Batterie des Spenderautos – ein Hyundai Ioniq Elektroauto – dem liegengebliebenen Auto Strom verpasst. Geladen wird nur mit Gleichstrom (DC-DC) und mit maximal 20 kW – in der Regel genug um in ca 15 Minuten ca 25 km Reichweite zu übertragen. Gerät die Spenderbatterie unter 30% Kapazität, bricht der Spendervorgang automatisch ab.

Da beide Systeme Gleichstrom nutzen, können nicht alle Elektroautos – wie etwa der Renault Zoë – betankt werden: etwas worauf man beim Kauf auch achten sollte.

Von VW gibt es eine Art Powerbank System welches als mobile Schnellladestation fungiert. Damit kann auch ohne festes Stromnetz einmalig Strom für bis zu 15 Elektroautos geliefert werden, bevor die Powerbank wieder aufgeladen werden muss.

Weiters gibt es Start-ups die sich mit mobilem Tanken beschäftigen, wie etwa das Berliner Unternehmen Surve Mobility das grünen Strom im Akku per Fahrradkurier stadtweit zum leeren Auto transportiert.

Wie viele stationäre Ladestationen gibt es in Deutschland?

Die meisten deutschen Elektroautos werden zuhause geladen.

Auch einige Arbeitgeber bieten Ladestationen an. Unterwegs gibt es aktuell (Stand Q4 2021) deutschlandweit 25.500 Ladestationen.

Das sind fast 5000 mehr als noch vor einem Jahr, Tendenz steigend.Auch interessant ist der weitere Ausbau von Gratis-Ladestationen, wie etwa bei Aldi, Lidl, Kaufland, REWE, Bauhau, Hagebau und Hornbach immer öfter vorzufinden.

Auf den Punkt gebracht

Will man Elektroautos abschleppen lassen, sollte man Folgendes beachten:

E-Auto abschleppen lassen im Raum Düsseldorf? Wir kennen uns aus! Jetzt anrufen: